Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt ist ein alarmierendes Signal. Für Eduard Appelhans, Vorsitzender des Bundesverbands ProHolzfenster, muss die Frage nach den Ursachen auch den ländlichen Raum und seine wirtschaftliche Basis in den Blick nehmen. Gerade dort sichern mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe Arbeitsplätze, bilden aus und schaffen regionale Wertschöpfung, werden aber durch immer neue Regulierungs-, Nachweis- und Dokumentationspflichten zunehmend belastet.
Eduard Appelhans:
„Sachsen-Anhalt hat gewählt – und der AfD ein historisches Bestergebnis beschert. In einem weiteren ostdeutschen Flächenland stehen in zwei Wochen Wahlen an. Seit Monaten kreist die öffentliche Debatte um die Frage, warum der ländliche Raum – in Ost wie West – zunehmend auf der Strecke bleibt.
Es geht um Brain Drain und verlassene Ortskerne, um schrumpfende Einwohnerzahlen und fehlende Infrastruktur, um Trostlosigkeit und fehlende Perspektiven. Ist der ländliche Raum tatsächlich tot?
Ich erlebe einen anderen ländlichen Raum, ob hier im Sauerland oder anderenorts: Ich erlebe einen Raum, in dem nach wie vor erfolgreiche Unternehmen produzieren, investieren und ausbilden. Viele von ihnen sind seit Generationen an ihren Standorten verwurzelt. Sie schaffen Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Regionen, in denen beides keineswegs selbstverständlich ist.
Der Holzfensterbau ist dafür ein gutes Beispiel. Unsere Branche ist traditionell stark im ländlichen Raum verankert. Hier sitzen mittelständische Familienunternehmen und Handwerksbetriebe, die mit hoher technischer Kompetenz und gut ausgebildeten Mitarbeitenden anspruchsvolle Produkte fertigen.
Das gilt auch für Sachsen-Anhalt, wo Fensterbaubetriebe wie die Tischlerei Timme in Eilsleben, die Tischlerei Dähne in Hevelberg, Manecke Fensterbau in Bismark und Innoline in Osterburg (Altmark) die regionale Wertschöpfung vor Ort vorantreiben – Tag für Tag.
Solche Unternehmen prägen Sachsen-Anhalt ebenso sehr wie die Probleme, über die wir zu Recht diskutieren. Sie sorgen für wirtschaftliche Stabilität und bieten Menschen berufliche Perspektiven vor Ort.
Umso mehr beschäftigt mich, wie wir politisch mit diesen Unternehmen umgehen: Während im Wahlkampf beschworen wird, den Mittelstand und den ländlichen Raum zu stärken, nimmt die Belastung durch Regulierung und Dokumentationspflichten weiter zu. EmpCo, Verpackungsverordnung, EUDR, Bauproduktenverordnung – es sind nicht weniger als vier verschiedene EU-Regelwerke, mit denen sich unsere Betriebe dieser Tage beschäftigen müssen. Oft werde ich gefragt, wie da noch Zeit für das eigentliche Geschäft bleiben soll.
Gerade kleine und mittlere Unternehmen verfügen nicht über große Rechts-, Compliance- oder Nachhaltigkeitsabteilungen. Jede zusätzliche Nachweis- und Dokumentationspflicht bindet dort Mitarbeiter, die an anderer Stelle fehlen – in der Produktion, bei der Ausbildung, bei der Entwicklung neuer Produkte oder im Kontakt mit den Kunden.
Diese Realität muss in Berlin und Brüssel stärker berücksichtigt werden. Wer über die Zukunft des ländlichen Raums spricht, darf deshalb über seine wirtschaftliche Basis nicht schweigen. Und wer den politischen Frust in diesen Regionen ernsthaft verringern will, muss dafür sorgen, dass diejenigen, die dort investieren, ausbilden und Arbeitsplätze sichern, vernünftige Rahmenbedingungen vorfinden.
Der ländliche Raum und seine wirtschaftliche Lage sind politisch relevanter, als es die öffentliche Debatte häufig vermuten lässt. Darauf muss die Politik reagieren.“
Fotocredit: Sorpetaler


