Cyber-Kriminalität – die unterschätzte Gefahr

Zunehmend auch Mittelständler betroffen

Cyber-Angriffe machen längst auch mittelständischen Unternehmen zu schaffen und verursachen teils enormen Schaden. Bei seinem Online-Stammtisch Ende März rückte der Bundesverband ProHolzfenster e.V. dieses Thema in den Fokus.

„Cyber-Risiko – die unterschätzte Gefahr nicht nur für börsennotierte Unternehmen“ hieß die Veranstaltung, mit der der Verband seine Mitglieder für das Thema sensibilisieren wollte. Referenten waren Siegfried Thüringer, Mike Kersting und André Görges von der SMK Versicherungsmakler AG.

Rund 275 Angriffe pro Tag (!) allein auf mittelständische Betriebe machen deutlich, dass es jeden treffen kann. Will man auf hohe Lösegeldforderungen nicht eingehen, bleibt nicht nur der Bildschirm schwarz. Tage- oder gar wochenlang ist die Produktion lahmgelegt, mühsam und teuer müssen Daten mittels Spezialisten wiederhergestellt werden, der Datenschutz ist dahin und das Image leidet ebenfalls. Was viele nicht wissen: Nach einem Hacker-Angriff ist innerhalb von 72 Stunden das Bundesamt für Datensicherheit zu informieren.

Police allein hilft nicht
„Jedes Unternehmen hat eine Feuerversicherung, aber längst nicht alle eine Cyber-Versicherung“, weiß André Görges. Allerdings sei es mit dem Abschluss einer Police in der Regel nicht getan. „Zu groß das Risiko für die Versicherer, weshalb die Verträge gerade im Handwerksbereich häufig Obliegenheiten enthalten, die der Versicherte in der Regel kaum alle erfüllen kann“, so Görges – und damit entfalle dann eben auch der Versicherungsschutz.

Wie also sein Unternehmen schützen? „Vorsorge ist die beste Versicherung“ meinen die Experten von der SMK. Sie selbst greifen deshalb auf ein ganzes Netzwerk von Spezialisten zurück, um die Risiken zu minimieren und den Schadenfall möglichst gar nicht erst eintreten zu lassen. „Wir verstehen uns als Risikomanager. Wer sich mit uns wegen einer Cyber-Versicherung in Verbindung setzt, bekommt Sicherheit mit Konzept, sozusagen ein Sicherungsnetz.“

Vorsorge als Voraussetzung
Konkret heißt das: beim IT-Audit Sicherheitslücken erkennen, Penetrationstest durchführen, Schwachstellen beseitigen, einen externen Datenschützer beauftragen und nach der Risikoanalyse schließlich der Risikotransfer auf das Versicherungsunternehmen – wobei die Police ganz am Schluss steht.

Kommt es trotz aller Vorsorge dennoch zum Ernstfall, können die Geschädigten auf kompetente Soforthilfe des Cyber-Versicherungsspezialisten zählen: IT-Forensik, Krisenmanagement, Erstattung finanzieller Schäden, Cloud-Deckungen etc. „Es ist gut, in dieser Situation einen erfahrenen Krisen-Coach zur Seite zu haben, denn es gibt in rechtlicher Hinsicht sowie in der Kommunikation einiges zu beachten. Und auch die emotionale Betroffenheit ist enorm“, wissen die Versicherungsmakler, die bereits mehrere Cyber-Schäden abgewickelt haben.

BPH-Vorsitzender Eduard Appelhans war mit seiner Fensterbaufirma selbst schon Opfer von Hacker-Angriffen. „Innerhalb von zwei bis drei Tagen konnte man zwar wieder arbeiten. Aber bis alles wieder so war wie zuvor, dauerte es mehrere Monate.“ Deshalb halte er diesen umfassenden Ansatz für absolut richtig.

Risiko steigt täglich – Aufklärung dringend notwendig
Für BPH-Geschäftsführer Heinz Blumenstein steht die Aufklärungsarbeit im Vordergrund. „Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung müssen die Betriebe für dieses Thema sensibilisiert werden.“ Nicht vernachlässigt werden dürfe übrigens die Aufklärung der Mitarbeiter, denn von jedem einzelnen Nutzer gehe Gefahr aus. „Deshalb muss jeder entsprechend informiert sein und wissen, worauf es ankommt.“

Angesichts der zunehmenden Angriffe und der damit verbundenen Gefahr könne die Cyber-Versicherung zweifellos als die „Feuerversicherung des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet werden. Mit dem Dank für eine offene und interessante Diskussion endete die Online-Veranstaltung.

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