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„Wir sind Weltspitze im Fensterbau!“

Teilnehmerrekord beim 9. BPH-Kongress

Einen Teilnehmerrekord verzeichnete der 9. Kongress des Bundesverbandes ProHolzfenster e.V. (BPH) am 13./14. September 2012 in Zeulenroda: Mehr als 170 Fensterhersteller, Zulieferer, Planer und Partner besuchten den wohl wichtigsten Treff der Branche, um sich über Herausforderungen und Chancen im Bereich Holz-/HolzAlufenster und -fassaden zu informieren und den Austausch mit Referenten, Kollegen und Ausstellern zu suchen.

„Märkte im Wandel – Chancen für Holz- und HolzAlufenster“ lautete das Motto. Themen wie Klimawandel und Energieeffizienz, Demografie und Globalisierung verändern unsere Lebenswelt und stellen uns alle vor große Aufgaben. Was bedeuten sie für die Holzfensterbranche? „Wer bereit ist, diese Aufgaben aktiv anzupacken, dem eröffnen sich vielfältige Chancen“, ist BPH-Vorsitzender Eduard Appelhans überzeugt. „Es kommt aber darauf an, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Weichen zu stellen.“ Die praxisnahen Vorträge gaben hierzu beim Kongress vielfältige Impulse.

„Ich denke, dass es die starke Praxisorientierung mit diversen Workshops und der Betriebsbesichtigung der Firma Wertbau waren, die so erfreulich viele Fensterhersteller zum Kongress nach Zeulenroda lockte“, sagt der geschäftsführende Vorsitzende Heinz Blumenstein. Die Fensterhersteller, darunter viele erstmalige Gäste, machten rund 70 Prozent des Teilnehmerkreises aus.

Sonderabschreibung endlich umsetzen!
In seiner Eröffnungsrede stellte Eduard Appelhans die Innovationskraft der Branche heraus: „Der Wettbewerbsdruck hat uns zu Spitzenleistungen getrieben. Unsere Betriebe haben viel investiert. Mit unseren Kollegenbetrieben in der Schweiz und in Österreich gehören wir zur Weltspitze im Fensterbau.“ Kritische Worte richtete er an die Politik. „Schon Mitte 2011 wurde eine Sonderabschreibung in den Gesetzentwurf zur energetischen Gebäudesanierung aufgenommen. Wo bleibt die Umsetzung?“ Das Gesetz werde im Bundesrat von den Länderfinanzministern blockiert. Das sei kurzsichtig: Schließlich generiere ein Euro Förderung den vielfachen Betrag davon in der Sanierung, was nicht zuletzt dem Steuersäckel zugute komme. Birgit Dietzel, die als Präsidentin des Thüringer Landtags ein Grußwort überbrachte, versprach dies als Auftrag mitzunehmen.

Großer Andrang bei Maschinen-Workshop
Auf riesiges Interesse stieß das Thema „Der lange Weg zur Maschine“. Die Fensterbauer Eduard Appelhans und Rainer Rutsch berichteten in lockerer Runde von ihren eigenen Erfahrungen: „Eine elektronische Anlage verändert das Arbeitsumfeld komplett – das muss man wissen und auch wollen. Und man muss von der Planung bis zur Umsetzung mindestens ein bis zwei Jahre Zeit und eine Arbeitskraft einplanen.“ Um Maschine, Werkzeug und Software optimal aufeinander abzustimmen, ist die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten gefordert. Wenn auch am Ende die Freude über die neue Anlage überwog: „Zwischendrin hätte ich mir manchmal gewünscht, den Schalter noch mal umlegen zu können“, berichtete Rainer Rutsch. Dennoch sind sich Rutsch und Appelhans einig: „Es ist betriebswirtschaftlich sinnvoll. Früher mussten wir halbe Tage für den Umbau aufwenden – heute fräst die Maschine tausende verschiedenster Profile auf Knopfdruck.“

Entsprechend groß war auch das Interesse bei der Betriebsbesichtigung des Vollsortimenters Wertbau. Inhaber Rainer Taig gewährte einen Blick hinter die Kulissen und führte mit Sohn Stefan durch das Unternehmen. Dabei erläuterte er den Produktionsablauf in der hochmodernen Fensterfabrik, wo allein die Holzfenster in zwei Zehnstundenschichten industriell gefertigt werden.

Neue Wege in der Schweiz
„Holzfenster bestehen nicht aus Chlor. Holz ist klimaschonend, energieeffizient und nachwachsend. Holz ist die Basis auch für HolzAlufenster. Unsere Fenster sind pflegeleicht und langlebig, sie brauchen den Vergleich mit anderen Materialien nicht zu scheuen“, betonte Appelhans. Deshalb sei Holz ganz klar das Fenstermaterial der Zukunft. In der Schweiz hat diese Zukunft längst begonnen, wie Christoph Rellstab von der Berner Fachhochschule für Architektur und Holz ausführte. Dort hat man zwei Wege beschritten, um Marktanteile zurückzugewinnen: Zum einen wollte man „Holz-Alu-Light zum Preis eines Holzfensters“ hinbekommen – es wurden kostengünstige Konstruktionen entwickelt. Daneben ging man neue Wege mit der Entwicklung des Holz-Glas-Verbunds mittels Klebetechnik: „Das Ergebnis ist die Leistung eines HolzAlufensters, bei dem man Alu komplett weglässt.“ Minimierte Rahmenanteile mit Holz nur im Innenbereich bringen mehr Licht und Komplettschutz vor Bewitterung. Und die Energieeffizienz stimmt auch: „Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Fenster bessere Werte bringen als manch teure und aufwändige Passivhaus-Konstruktion.“ In der Schweiz halten sich die Marktanteile von Holz/HolzAlu und Kunststoff mittlerweile die Waage. Was die Zukunft des Fensterbaus betrifft, blickt Rellstab voraus: „Künftig werden wir eher von einem transparenten Heizkörper mit Lüftungs- und Beschattungsfunktion sprechen, eingebunden in eine intelligente Gebäudehülle.“

Wie aus Sanierungsfällen Null-Heizenergiehäuser mit Solarfassaden entstehen, berichtete Andreas Naumann vom Leipziger Ingenieurbüro Lokal Plan. Für seine Passivhäuser hat er das Prinzip des Kastenfensters weiterentwickelt, das er inzwischen auch mit Thermoholz umsetzt. „Immer dickeres Mehrscheiben-Glas und immer schwerere Fensterflügel waren keine Option für uns.“ Die neuen Kastenfenster haben eine automatisierte Belüftung mit Luftkollektorfunktion, Beschattungssysteme sind integrierbar. Zahlreiche Kommunalbauten wurden auf diese Weise saniert. Derzeit laufen Forschungsprojekte mit wandintegrierten Solarfassaden, die in der Altbausanierung einen Plus-Energiestandard bringen sollen.

Wie muss das Fenster der Zukunft aussehen?
Die Anforderungen an künftige Fenster werden durch vielfältige Faktoren bestimmt: durch klimatische Veränderungen wie starke Hitze und zerstörerische Stürme, durch Kundenwünsche wie Sicherheit, Bedienungsfreundlichkeit und Barrierefreiheit, durch technische Anforderungen wie Systemsicherheit oder auch veränderte Fertigungstechniken. Wie muss das Fenster der Zukunft aussehen? „Die Eier legende Wollmilchsau gibt es nicht“, meinte Hans Neumeier, der beim VBH Tausende von Systemprüfungen verantwortet. Im Vortrag und im gut besuchten Workshop gab er den Teilnehmern jedoch eine Vielzahl von praxisgerechten und fundierten Hinweisen zur Optimierung von Fenstersystemen mit auf den Weg. Themen waren Schlagregendichtheit, Entwässerung bei Schwellen, Druck- und Soglasten-Optimierung, Isothermenverlauf u.a.m.

Interessierte Zuhörer hatte auch Uwe Piefke vom Direkt Marketing Center der Deutschen Post, der im Workshop das wichtige Thema Marketing und Werbung anhand konkreter Beispiele erläuterte. Die begleitende Ausstellung der Mitglieder aus der Zulieferindustrie sorgte für einen regen Praxisaustausch. Besonders die innovativen Entwicklungen rund ums Holz- und Holz-Alufenster wurden begutachtet und diskutiert. Ein unterhaltsames und interessantes Abendprogramm rundete die Veranstaltung ab. Insbesondere der bekannte Kabarettist Klaus Karl-Kraus hatte die Lacher auf seiner Seite im Kongresszentrum des Bio-Seehotels. Auch das Damenprogramm „Farbenrausch und Atempause“ von Farb- und Stilberaterin Christiane Baumann, das parallel zur Mitgliederversammlung am zweiten Kongresstag lief, wurde freudig angenommen.

„Ein rundum gelungener Kongress mit praxisnahen Themen, nicht zu vollgepackt, ein hochinteressanter Besichtigungstermin und reichlich Gelegenheit zum Austausch mit Kollegen und Partnern – dieses Tagungskonzept stimmt!“ – so lautete das allgemeine Fazit.

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Der alte Vorstand ist der neue

Bei den Neuwahlen bestätigten die Mitglieder des Bundesverbandes ProHolzfenster e.V. den Vorstand in seinem Amt: Eduard Appelhans (2. v.r.) bleibt 1. Vorsitzender, links und rechts von ihm seine Stellvertreter Heinz Blumenstein und Karsten Häber. Rudi Walz (ganz links) ist Sprecher des 21-köpfigen Beirats.
v.l.: Eduard Appelhans und Heinz Blumenstein begrüßen Birgit Dietzel, Präsidentin des Thüringer Landtags
Volles Haus beim BPH-Kongress in Zeulenroda
v.l.: Rainer Rutsch und Eduard Appelhans erzählen von ihrem eigenen „langen Weg zur Maschine“.
Blick hinter die Kulissen von Wertbau – Rainer Taig erläutert seine industrielle Produktion.
Vorsitzender Eduard Appelhans
Christoph Rellstab, Berner Fachhochschule