Seminar von BPH und iBat in Hamburg gab Aufschluss
Immer mehr exotische Holzarten präsentieren sich dem Holz verarbeitenden Handwerk und damit auch den Fensterherstellern. Durch die Verknappung von Meranti – trotz derzeit etwas besserer Versorgungslage – drängen immer mehr zweifelhafte „Ersatzholzarten“ auf den Markt. Und auch die neu geschaffenen modifizierten Hölzer eröffnen neue Möglichkeiten. Doch was eignet sich tatsächlich für den Fensterbau? Diplom-Holzwirt Eike Gehrts und Dr. Gerald Koch vom vTI Institut für Holzbiologie und Holztechnologie vermittelten rund 30 Praktikern einen Überblick über den aktuellen Stand. Im Seminar am vTI in Hamburg, veranstaltet vom iBat Institut zusammen mit dem Bundesverband ProHolzfenster, gab es fundierte Antworten auf alle Fragen. Eine hochinteressante Führung durch die beeindruckende Holzartenbibliothek des Instituts rundete die Veranstaltung ab. Wertvoll auch der Hinweis auf die vom vTI entwickelte Holzartendatenbank „macroHOLZdata“, die – finanziert durch Bundesmittel – Daten und Bewertungen zu allen bekannten und relevanten Holzarten der Welt enthält. Die wichtigsten Ergebnisse des Seminars im Überblick:
Meranti ist nur mit einer Dichte von über 500 kg/m3 interessant für den Fensterbau. Red Meranti hat immer noch die vorherrschende Marktposition bei Tropenhölzern. Gerald Koch: „Die Qualität der Kanteln hat sich in den letzten Jahren verbessert, bei Mischsortimentkanteln ist sie jedoch eher schlecht.“ Dark Red Meranti verfügt bei über 500 kg/m3 Dichte über die Dauerhaftigkeitsklasse 2. Gerald Koch plädiert dafür, nur noch von Red Meranti zu sprechen, wenn es über 550 kg/m3 Rohdichte verfügt.
Eukalyptus kommt mit FSC-Zertifizierung aus Brasilien und wird immer interessanter für den Fensterbau. Der GD HOLZ prüft derzeit die Marktchancen. Aufgrund der über 600 Arten gibt es jedoch große Schwankungen in der Qualität.
Auch Light Meranti, Gerutu (Heavy white seraya), Bintangor und Kasai sind als Fensterholz einsetzbar. Merpauh und Durian haben dagegen eine zu geringe Dauerhaftigkeitsklasse. Und bei sibirischer Lärche korrelieren Dauerhaftigkeit und Dichte nicht.
Mit derzeit acht verschiedenen Methoden werden heimische Hölzer modifiziert – zu den bekanntesten zählen die Acetylierung (Accoya/Roggemann) und Holzvernetzung (Belmadur/BASF). Die Modifizierung kann zu Verbesserungen hinsichtlich Dauerhaftigkeit sowie Quell- und Schwindverhalten führen. Probleme sieht Eike Gehrts jedoch ebenfalls: „Es besteht kein Schutz gegen Bläue und manchmal verschlechtern sich auch die mechanischen Eigenschaften.“ Außerdem gebe es hinsichtlich der Eignung für den Fensterbau bisher noch keine verlässlichen Aussagen. Wood plastic components (WPC), die für die Herstellung von Terrassendielen bereits verkauft werden, haben in Deutschland noch keine baurechtliche Zulassung im Fensterbereich.
Eike Gehrts ging auch auf den chemischen Holzschutz ein, da oftmals Unsicherheit über die Anforderungen herrscht. Die Gebrauchsklasse 3.2. führt beim Holzfenster zur Bezeichnung „Kesseldruckimprägniertes Holz mit Glasausfachung“. Chemischer Holzschutz bei Fenstern sei grundsätzlich Vereinbarungssache, Bläueschutz aber unbedingt notwendig. Eike Gehrts empfiehlt daher die Imprägnierung im Einzelteil bzw. der Schlitz-Zapfen-Verbindung vor dem Zusammenbau des Rahmens.


Der Bundesverband ProHolzfenster e.V. (BPH) gründete sich 1994 (damals unter der Bezeichnung Initiative ProHolzfenster e.V.). Mitglieder sind derzeit rund 350 Fensterhersteller, Zulieferfirmen und Architekten, die vom hochwertigen Produkt Holzfenster und Holz-Alu-Fenster überzeugt sind. Der Verband hat sich zum Ziel gesetzt, über die Vorteile des nachhaltigen Werkstoffs Holz im Fenster- und Türenbau zu informieren.
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