Holzfensterbranche erkennt ihre Chancen beim

„Lasst uns die Konjunktur selbst gestalten!“

Welche Möglichkeiten hat die Fensterbranche, ihre Konjunktur selbst zu gestalten? Dieser Frage gingen im Juni die Teilnehmer beim 5. Kongress für Fenster und Fassaden aus Holz im Schlosshotel Schkopau bei Halle nach. Unter dem Motto „So wird Markt gemacht“ beleuchteten namhafte Referenten im Auftrag der Initiative ProHolzfenster e.V. (IPH) verschiedene Wege zum Ziel. Qualität, Innovation, der Unternehmer, sogar jeder einzelne Monteur ist für den Unternehmenserfolg mitverantwortlich – und das Fazit des Tages war: „Jeder von uns hat es in der Hand.“

Die hohe Bedeutung eines durchgängigen Qualitätsmanagements hob Wilhelm Helmke von der Gütegemeinschaft Holzfenster e.V. hervor. Seine konkreten Berichte aus der Praxis fanden besondere Aufmerksamkeit. Als Geschäftsführer der Winter Holzbau GmbH erläuterte er, wie der Betrieb mit RAL-Gütezeichen und Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 eine gleichbleibend hohe Qualität seiner Holzfenster sichert. „Ohne Qualität kein Markt und keine Zukunft für das Holzfenster“, appellierte Wilhelm Helmke eindringlich an die Teilnehmer, nach den Grundsätzen der VFF-Merkblätter zu arbeiten. Zu 70 Prozent werde im übrigen die Qualität durch gut ausgebildete, motivierte und eigenverantwortlich handelnde Mitarbeiter bestimmt. Die Gesprächsrunde, moderiert von Ralf Spiekers vom Bundesverband HKH, diskutierte das RAL-Gütezeichen zwar kontrovers. Helmke betonte jedoch, man werde die Zügel künftig anziehen und den Marketing-Nutzen stärken: „Wir wollen Klasse statt Masse. Im Klartext: Wer bei uns im Club ist, muss bestimmte Bedingungen erfüllen.“ Mehr Markt schaffen auch Innovationen, neue Fensterfunktionalitäten. Robert Hildebrand vom Fraunhofer-Institut zeigte am Beispiel des inHaus (Innovationszentrum intelligentes Haus) in Duisburg, wohin die Richtung gehen könnte. Durch umfangreiche Aktorik, Sensorik und Netzwerkanbindung ergeben sich interessante Lösungen, etwa für Energiespar-Strategien oder spezielle Zielgruppen. Warum sollte das Fenster der Zukunft nicht gleichzeitig als Lautsprecher dienen oder integrierte Solarzellen mit der Stromproduktion beginnen?

Auch kleinere Betriebe tun gut daran, ihre Geschäftsabläufe auf jeder Ebene strategisch zu planen – in der Realität leider keine Selbstverständlichkeit. Untersuchungen zufolge haben knapp 60 Prozent der Mittelstandsgeschäftsführer noch nicht einmal ein Mini-Konzept. „Der Mittelstand in Deutschland hat gute Chancen. Aber wir müssen uns über unsere Stärken und Schwächen, Ziele und Strategien, über unser Handeln im Klaren sein“, lautete die Botschaft von „Mittelstandspionier“ Manfred Helfrecht. Auf die Wichtigkeit des Handwerkers vor Ort als „Visitenkarte des Unternehmens“ verwies Klaus Günther von der Simonis Service Agentur. Schlechtem Handwerker-Image (Schmutz im Haus, Unzuverlässigkeit) müsse man durch absoluten Service mit „Überraschungsqualität“ begegnen: „Erfüllen Sie nicht nur die Erwartungen des Kunden, sondern gehen Sie darüber hinaus und bieten Sie Nutzen, der Aha-Erlebnisse hervorruft.“ Schon bei der Begrüßung, dem Einrichten des Arbeitsplatzes oder dem freundlichen Gespräch mit dem Kunden könne man hier enorme Pluspunkte sammeln.

Die Markt-Aktivitäten der IPH schließlich beschrieben Vorsitzende Nicole von Oesen, Heinz Blumenstein und IPH-Geschäftsführer Andreas Neumeier. Die IPH betreibe Grundlagenwerbung für die Branche, die als neutral wahrgenommen werde. Der Fenstermarkt als vorwiegend regionaler Markt erfordere jedoch auch individuelle Anstrengungen. Mit Argumentationshilfen, Pressetexten und vielfältiger Marketing-Unterstützung gibt die IPH Hilfen an die Hand: „Nehmen Sie dieses Freibier an!“ Auch in politischer Hinsicht will die IPH den Markt für Holzfenster positiv beeinflussen. Stefan Schardt vom Berliner IPH-Büro verwies auf die Mitarbeit an der „Charta Holz“ zur Förderung des Holzabsatzes. „Dieses ‚politische Marketing’ ist gerechtfertigt. Denn Holz ist der ökologisch überlegene Werkstoff. Nun müssen wir es nur noch schaffen, ähnlich wie bei Gartenmöbeln, auch bei Holzfenstern Image und Lebensgefühl zu verkaufen.“

 

Strategiekreis Holzfenster tagte

Die Vertreter von BHKH, Fachverband GFF Baden-Württemberg, Gütegemeinschaft Holzfenster und VFF, HolzAlu-Forum, Wintergarten Fachverband und IPH waren sich einig: Der am Rande der fensterbau initiierte Strategiekreis Holzfenster, der sich in Schkopau zum zweiten Mal traf, ist ein Quantensprung. „Gerade in den Bereichen Innovation und Marketing können wir gemeinsam Dinge voranbringen, die einer allein nicht schultern würde“, nahm Dr. Thomas Büttner von der Gütegemeinschaft Holzfenster Bezug auf die Kongress-Themen.

Glanzlicht zum Kongress-Abschluss: die Verlosung des Smart-Roadster im flotten „Natürlich Holz-Fenster“-Design. Diplom-Holzwirt Eike Gehrts, Mitarbeiter beim VFF, hatte Glück: Ein Jahr lang darf er den werbewirksamen Smart kostenlos nutzen.

 

Fakten und Meinungen

Manfred Helfrecht: „Der Mittelstand ist der maßgeblich stabilisierende Faktor der deutschen Wirtschaft. Er schafft 82 % aller Ausbildungsplätze. Wir haben gute Bedingungen: Deutschland ist größte Exportnation, kein Hochsteuerland, besitzt weltweit hohes Ansehen. 76 % unserer Jugendlichen schätzen Fleiß und Ehrgeiz. Aber: Pro Jahr und Mitarbeiter werden in Deutschland 83 Arbeitstage verschenkt. Der Grund: Mangelnde Planung.“

Wilhelm Helmke: „81 % der Endverbraucher sagen, Holzfenster haben einen zu hohen Pflegeaufwand. 64 % sagen, sie sind nicht so witterungsbeständig. Nur 20 % sagen, Holzfenster seien zu teuer. Das ist wunderbar: Die ersten beiden Argumente können wir doch mit überzeugender Qualität entkräften!“

Heinz Blumenstein: „Ganzheitliches Marketing ist für Unternehmen überlebenswichtig. Jeder Mitarbeiter muss die Unternehmensziele kennen und nach außen tragen. Verbraucher wollen besseren Service: Richten Sie Ihr Unternehmen ganz auf Ihren Kunden aus!“

Nicole von Oesen: „Das IV 68 ist zwar Stand der Technik, aber im Grunde überholt. Für innovative Lösungen benötigen wir Instrumente, um sie im Markt durchzusetzen. Im Bereich der Altbau-Sanierung haben wir ein riesiges Potential vor uns.“

Ralf Spiekers: „Man muss sehr stark sein, um ein neues Fenster in den Markt zu bringen. Ein einzelnes Unternehmen kann dies nicht leistern. Der Strategiekreis Holzfenster bietet hier eine Chance.

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